Likör statt Rumtopf

Meine Eltern haben früher regelmäßig einen Rumtopf mit Primasprit und allen möglichen Gartenfrüchten angesetzt. Der schmeckte mir damals sehr gut. Ich trank heimlich davon und füllte soviel Wasser nach, so dass die Früchte zu schimmeln begannen. Daraus habe ich gelernt, für jede Art von Likör oder Aufgesetztem möglichst starken Alkohol zu verwenden. Das konserviert!

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Egal wie man das alkoholische Getränk nennt, das Prinzip ähnelt sich überall und wird Mazerieren (von lateinisch macerare / einweichen) genannt. Es ist die einfachste Methode, geschmacklich weniger eleganten Alkohol durch Zusatz von Früchten zu verfeinern. Die Kunst besteht darin, das Aroma des jeweiligen Alkohols mit dem einer passenden (immer sehr reifen!) Frucht zu vermählen. Prinzipiell kann man das auch mit Kräutern und Wurzeln versuchen, aber davon ein anderes Mal…

trinken1Primasprit verwende ich nur noch für extrem würzige Liköre, so wie ihn meine Nachbarn zum Beispiel mit Holunderblüten und Zitronen ansetzen. Für Schwarze Johannisbeere, Schlehe und Pflaume bevorzuge ich starken, dunklen Rum. Zum frischen Geschmack von Roter Johannisbeere, Kirsche oder Mirabelle passt ein guter Korn oder Wodka. Umso mehr Volumenprozente der Schnaps hat, desto besser werden die Geschmacksanteile vom Alkohol aufgenommen. Deshalb greife ich beim Rum immer zum 54prozentigen.

trinken5Die vollreifen, sauberen und ggf. entkernten Früchte werden einfach in ein Gefäß mit breitem Hals gegeben, mit dem Alkohol übergossen und verschlossen. Nach zwei Monaten gießt man den Geist durch ein Sieb und gibt Läuterzucker (Zucker und Wasser zu gleichen Teilen aufgekocht) nach Geschmack zu. Bei sehr reifen Früchten kann man darauf auch verzichten.

 

Noch eine Frage an die Leser: Habt ihr Erfahrung mit der Traubenkirsche (siehe Foto rechts)? Ich habe die säuerlichen und leicht bitteren Früchte probiert. Die kann ich sicherlich zu einem schmackhaften Geist verarbeiten. Allerdings heißt es, der Kern wäre schwach giftig. Die kleinen Früchte von dem großen Kern zu lösen, das wäre eine Aufgabe für Menschen, die auch gerne Puzzle mit 10.000 Teilen legen – also nichts für mich.trinken4

(Christian Lorenz)

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