Löwenzahn regt den Stoffwechsel an

Wie der Anblick einer vom Löwenzahn goldgelb gefärbten Wiese das Herz erfreut, so hilft der Genuss der Blätter dem Organismus. Und Sirup aus den Blüten kann Honig ersetzen.

Mit dem intensiveren Sonnenlicht zum Beginn des Frühjahrs entwickeln die Pflanzen wieder vermehrt den grünen Farbstoff Chlorophyll in ihren Blättern. Mit seiner Hilfe bauen sie aus Kohlendioxid und Wasser organische Substanzen auf und schaffen so die Grundlage der Ernährung für Mensch und Tier. Der grüne Blattfarbstoff hat darüber hinaus eine wichtige Bedeutung, denn zentraler Bestandteil von Chlorophyll ist Magnesium.

Dieses Mineral spielt eine herausragende Rolle im Energiestoffwechsel. Er vermag die Freisetzung von Stresshormonen zu vermindern und stabilisiert Zellmembranen. Magnesium verbessert die Fließfähigkeit des Blutes, indem es die Thrombozytenaggregation hemmt. Außerdem kann es Spasmen der Herzkranzgefäße lösen und damit den Blutdruck senken. Die Wirkung der grünen Löwenzahnblätter beruht allerdings nicht allein auf ihrem Magnesiumgehalt. Der enthaltene bittere Stoff Taraxacin regt u.a. die Ausscheidung von Natrium über die Nieren an und trägt zur Senkung eines zu hohen Blutdrucks bei.

Weiterhin wird die Ausscheidung von Harnsäure gefördert, welche sich bei erhöhtem Harnsäurespiegel in den Gelenken ablagern kann, dort auskristallisiert und die gefürchteten Gichtschmerzen auslöst.

Die blutreinigende, hautklärende Wirkung des Löwenzahns rührt daher, dass die Ausscheidung vieler harnpflichtiger Stoffe angeregt wird. In der Volksheilkunde wird Löwenzahn nicht nur bei Akne, sondern auch bei vielen anderen Hauterkrankungen wie z.B. Schuppenflechte oder Ekzemen eingesetzt.

Der Gehalt von 70 mg Vitamin C pro 100 g, der hohe Anteil von Provitamin A und Vitamin E sowie vieler weiterer Mineralstoffe (z.B. Kalium, Kalzium) sprechen ebenfalls für eine Frühjahrskur mit Löwenzahn. Das enthaltene Cholin dient dem Organismus zum Aufbau von Acetylcholin, einem wichtigen Nervenbotenstoff.

Eine ganz besondere Wirkung haben die “Maiblätter” – wie Löwenzahnblätter teils genannt werden – auf Leber und Galle. So regen sie den Stoffwechsel der Leber an und beschleunigen die Ausscheidung von Giften, die sich dort ansammeln. Diese wohltuende Wirkung macht sich vor allem nach einer durchzechten Nacht bemerkbar.

Allerdings sollte Löwenzahn nicht bei Entzündung oder Verschluss der Gallenwege, bei Gallenblasenempyem (Eiteransammlung) oder bei Darmverschluss angewendet werden. Auch bei Gallensteinen sollte eine Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Eine Verwechslungsgefahr ist während der Blütezeit Anfang Mai fast auszuschließen. Außerdem gibt es zu Löwenzahn mit seinen gelben Blüten und den gelappten oder gezähnten, nicht behaarten Blättern, die sich zu einer Grundrosette entfalten, keine ähnlichen Pflanzen, die giftig oder vom Aussterben bedroht sind.

Zu Beginn des Frühjahrs sind die jungen Blätter am zartesten und noch kaum bitter. Sie eignen sich z.B. für einen bunten Salat mit dünnen Radieschen- und Möhrenscheiben, Apfelspalten, Gurke und einem Dressing aus Olivenöl oder Leinöl mit Rotweinessig und etwas Honig.

Die Anfang Mai gesammelten Blätter eignen sich auch zum Trocknen, um daraus später Tee zu brühen. Aus der Mitte der Blattrosette kann man das ganze Jahr über junge, frische Blätter ernten. Eine “veredelte” Varietät des Löwenzahns wird manchmal als Salatpflanze in Gemüsegärten angebaut.

Aus den goldgelben Blüten lässt sich Sirup oder Gelee kochen. Auch die Wurzel kann man nutzen. Gebratene Löwenzahnwurzel wird in Japan mit Sojasauce gegessen. Eine Ausnahme der Verwendung gibt es: Die Stengel sollten nicht verzehrt werden, da der enthaltene Milchsaft schwach giftig ist.

Als Bonus hier ein Rezept für Löwenzahnblütensirup

Schmeckt lecker und erinnert tatsächlich an Blütenhonig. Wir brauchen 100 Blüten (ohne Stiele), 1 kg Zucker und 1 Liter Wasser. Zusammen in einen großen Kochtopf geben, Blüten gut mit dem Wasser bedecken. Einige Stunden stehen lassen, dann 1 Stündchen mit geschlossenem Deckel kochen, bis die Konsistenz sirupartig wird. Abseihen, evtl. mit Zitronensaft abschmecken. Der auch Löwenzahnhonig genannte Sirup ist, in Konservengläsern eingekocht, ein Jahr haltbar.

(Anke Nussbücker)

Reife Früchtchen

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Überall hängen noch ein paar übrig gebliebene, meist vollreife Früchte. Was kann man damit anfangen? Erstmal pflücken!
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Verschiedene Johannisbeeren und Erdbeeren passen gut zusammen. Hauptsache, der Mix wird nicht zu sauer!
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Um Arbeit zu sparen, kann man alles mit Stiel und Blattresten durch den Mixer jagen. Aber manche mögen es gründlich.
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Diese phänomenale Saftpresse verarbeitet alles, was man oben hinein stopft. Ihren Namen verbreite ich erst, wenn die Firma mich dafür bezahlt!
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Eine gute Ausbeute: Links der (fast) trockene Trester, rechts der vollaromatische, dickflüssige Saft.
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Ich persönlich verfeinere mit der Saft-Sauce am liebsten Griessbrei und Vanillepudding. Man kann aber auch Mehrfrucht-Gelee einkochen. Das wäre dann allerdings nicht die schnelle Variante.

Erdbeeren + Rhabarber = Marmelade

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Erbeeren gehen immer, aber bis wann darf man Rhabarber ernten? Der Gehalt an Oxalsäure, welche zum Beispiel die Entstehung von Nierensteinen begünstigt, steigt im Sommer.
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Großzügiges Schälen bzw. Abziehen der Hautschicht reduziert die unerwünschten Inhaltsstoffe im Rhabarber. Nach Anweisung mit Gelierzucker vermischen, bei Bedarf Vanillezucker, Zitrone oder Orangensaft dazu geben und eine Stunde stehen lassen.
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Erhitzen und vorsichtig aufkochen, so dass möglichst wenig Schaum entsteht. Löffelprobe: einen flüssigen Klecks auf den Teller geben. Wenn er schnell geliert, dann den Topf vom Herd nehmen.
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Gläser und Deckel vorher gründlich säubern und mit kochendem Wasser übergießen. Gekochte Marmelade mit einem Trichter oder Schöpflöffel verteilen. Gläser umdrehen.

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Jungbrunnen Holunder

Mit schwer herabhängenden Dolden von kleinen, glänzenden, schwarzen Beeren – so zeigt sich im Herbst der schwarze Holunder, der auch unter den volkstümlichen Namen Alhorn, Dolder, Ellhorn, Holder oder Hollerbaum bekannt ist. Im Frühjahr, wenn seine weißen sonnenförmigen Blüten leuchten, kann man leicht verstehen, dass der Holunder der Lieblingsbaum der germanischen Göttin „Holla“ war, die in Grimms Märchen als Frau Holle erscheint. Ihr Name Holla oder Holda hat den gleichen Ursprung wie die Worte „hold“ oder „Huld“. Die Göttin Holla gab Menschen Schutz und konnte Krankheiten heilen.

Seit eh und je gehört Holunder zu den populärsten Volksheilmitteln. So nutzt man die schweißtreibende Wirkung der Blüten bei allen Erkältungskrankheiten. Die schwarzen Beeren, die zu Saft, Marmelade, Suppe oder Wein verarbeitet werden können, enthalten die Mineralstoffe Kalium, Eisen und Selen sowie die Vitamine A, C, B1, B2, B6, Cholin und Niacin. Sie stärken die Abwehrkräfte des Körpers und sind deshalb besonders zu Beginn der kälteren Jahreszeit sehr zu empfehlen.

Holunderblüte

Für die blau-lila Farbe der Holunderbeeren sind sogenannte Anthocyane verantwortlich. Unter den sekundären Pflanzenstoffen gehören sie zur Gruppe der Flavonoide. Ebenso wie Flavonoide aus Rotwein schützen sie vor oxidativen Schädigungen, die als Ursache des Alterns und verschiedener Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Krebs oder Alzheimer angesehen werden. Flavonoide schützen auch das Vitamin C vor Oxidation und vermögen, oxidiertes Vitamin C wieder zu regenerieren. Die blau-lila Farbstoffe der Holunderbeeren wirken außerdem stabilisierend auf die feinen Blutgefäße der Netzhaut des Auges und verhindern die Ablagerung des schädlichen LDL-Cholesterins in den Blutgefäßen.

Allerdings sollten Holunderbeeren nicht roh verzehrt werden. Erst durch Erhitzen wird das giftige, Blausäure abspaltende Sambunigrin zerstört. Rohe Beeren können Magenkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Insbesondere grüne Stielteile und unreife Beeren sollte man vor der Zubereitung aussortieren, weil sie besonders viel Sambunigrin enthalten.

holunderbusch
Der Schwarze Holunder wächst oft am Wegesrand.

Schwarzer Holunder (lat. Sambucus nigra) ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Man sollte ihn nicht mit dem Zwerg-Holunder (lat. Sambucus ebulus) verwechseln, dessen Früchte bitter schmecken und giftig sind. Den giftigen Zwerg-Holunder erkennt man an den aufgerichteten Fruchtständen. Dagegen hängen jene des Schwarzen Holunders nach unten. In kühlen Wäldern wächst außerdem der Rote bzw. Trauben-Holunder (Sambucus racemosa). Seine korallenroten Früchte, die bereits im August reif sind, schmecken nach dem Kochen sehr gut. In roher Form können die Trauben-Holunder-Beeren Erbrechen auslösen.

Holunderkuchen

Für den Fruchtbelag 300g Holunderbeeren abzupfen (mit einer Gabel lassen sich die Beeren leicht von den Dolden abstreifen), mit 100 ml Wasser und einem kleingeschnittenen, geschälten Apfel zum Kochen bringen, 4 Teelöffel Kartoffelstärke in kaltem Wasser anrühren, die Beeren damit zu einem dicken Brei binden, vom Herd nehmen, mit je 2 Esslöffeln Zitronensaft und Zucker sowie einer Prise Zimt abschmecken.

Für den Boden 100g Butter, 125 g Quark, 3 Eigelb, 100 g Zucker, 1 Prise Salz, 200 g Mehl, 1 gehäuften Teelöffel Backpulver, eine Prise Zimt und 50 ml Milch zu einem schwer reißenden Rührteig verarbeiten, in eine gefettete Tortenform geben, den Holunderbeerenbelag darauf verteilen, im vorgeheizten Backofen bei 175 °C zunächst 20 Minuten backen.

Für die Decke 3 Eiweiß zu Schnee schlagen, 1 Esslöffel Zitronensaft und 2 Esslöffel Zucker unterrühren, auf den Holunderkuchen streichen und weitere 20 Minuten hellbraun backen.

Holundersüppchen mit Eischnee-Nockerln

300g Holunderbeeren waschen und abstreifen, mit 250 ml Wasser, ½ Vanilleschote und einem kleingeschnittenen, geschälten Apfel in einem breiten Topf zum Kochen bringen. 1/2 Päckchen Vanille-Puddingpulver in kaltem Wasser anrühren, die Beeren damit zu einem dicklichen Suppe binden, mit Zitronensaft und 3 Teelöffeln Birkenzucker sowie einer Prise Zimt abschmecken.

Für die Nockerln 2 Eier aufschlagen, Eigelb und Eiweiß sorgfältig trennen, die Eiweiße mit ½ Prise Salz zu Schnee schlagen, 1 Teelöffel Vanille-Zucker unterrühren, danach die Eigelbe vorsichtig unterheben. Von der Masse jeweils mit einem großen Esslöffel Nockerln abstechen, in die heiße Suppe geben und einige Minuten ziehen lassen, auf tiefe Suppenteller geben, nach Belieben mit Zimt und Zucker bestäuben.

(Anke Nussbücker)

Der Artikel erschien unter dem Mädchennamen der Autorin in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ und hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Man bedenke: Viele Obstarten, die wir im Supermarkt kaufen können, werden lange vor ihrer Vollreife und Fülle an Vitaminen geerntet, damit sie lange lager- und verkaufsfähig bleiben. Also gegen Sie in die Natur und pflücken die gut ausgereiften vor Vitaminen und Gesundheitsstoffen strotzenden Beeren!
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Likör statt Rumtopf

Meine Eltern haben früher regelmäßig einen Rumtopf mit Primasprit und allen möglichen Gartenfrüchten angesetzt. Der schmeckte mir damals sehr gut. Ich trank heimlich davon und füllte soviel Wasser nach, so dass die Früchte zu schimmeln begannen. Daraus habe ich gelernt, für jede Art von Likör oder Aufgesetztem möglichst starken Alkohol zu verwenden. Das konserviert!

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Egal wie man das alkoholische Getränk nennt, das Prinzip ähnelt sich überall und wird Mazerieren (von lateinisch macerare / einweichen) genannt. Es ist die einfachste Methode, geschmacklich weniger eleganten Alkohol durch Zusatz von Früchten zu verfeinern. Die Kunst besteht darin, das Aroma des jeweiligen Alkohols mit dem einer passenden (immer sehr reifen!) Frucht zu vermählen. Prinzipiell kann man das auch mit Kräutern und Wurzeln versuchen, aber davon ein anderes Mal…

trinken1Primasprit verwende ich nur noch für extrem würzige Liköre, so wie ihn meine Nachbarn zum Beispiel mit Holunderblüten und Zitronen ansetzen. Für Schwarze Johannisbeere, Schlehe und Pflaume bevorzuge ich starken, dunklen Rum. Zum frischen Geschmack von Roter Johannisbeere, Kirsche oder Mirabelle passt ein guter Korn oder Wodka. Umso mehr Volumenprozente der Schnaps hat, desto besser werden die Geschmacksanteile vom Alkohol aufgenommen. Deshalb greife ich beim Rum immer zum 54prozentigen.

trinken5Die vollreifen, sauberen und ggf. entkernten Früchte werden einfach in ein Gefäß mit breitem Hals gegeben, mit dem Alkohol übergossen und verschlossen. Nach zwei Monaten gießt man den Geist durch ein Sieb und gibt Läuterzucker (Zucker und Wasser zu gleichen Teilen aufgekocht) nach Geschmack zu. Bei sehr reifen Früchten kann man darauf auch verzichten.

 

Noch eine Frage an die Leser: Habt ihr Erfahrung mit der Traubenkirsche (siehe Foto rechts)? Ich habe die säuerlichen und leicht bitteren Früchte probiert. Die kann ich sicherlich zu einem schmackhaften Geist verarbeiten. Allerdings heißt es, der Kern wäre schwach giftig. Die kleinen Früchte von dem großen Kern zu lösen, das wäre eine Aufgabe für Menschen, die auch gerne Puzzle mit 10.000 Teilen legen – also nichts für mich.trinken4

(Christian Lorenz)